Ob du überhaupt anwinkeln kannst, entscheidet die Halterung. Viele einfache Modelle sind starr; unsere Balkonkraftwerk-Halterung für Geländer lässt sich stufenlos von 18 bis 38° einstellen und deckt damit den kompletten optimalen Bereich ab. Welche Halterung an deinen Balkontyp passt, klärt der Ratgeber Welche Halterung für welchen Balkon?
Wie schräg im Sommer, wie schräg im Winter?
Rein physikalisch ist die Sache klar: Im Sommer steht die Sonne hoch, ein flacher Winkel passt besser. Im Winter steht sie tief, ein steiler Winkel passt besser. Als grobe Orientierung kursieren diese Werte:
| Zeitraum |
Grobe Orientierung |
Mit unserer Halterung (18–38°) erreichbar? |
| Sommer |
ca. 15–30° |
Ja (ab 18°) |
| Frühling & Herbst |
ca. 30–45° |
Teilweise (bis 38°) |
| Winter |
ca. 55–70° |
Nein |
| Fester Ganzjahres-Winkel |
ca. 30–35° |
Ja |
Und jetzt die unbequeme Wahrheit dazu: Für ein Balkonkraftwerk lohnt sich das saisonale Umstellen kaum. Unsere PVGIS-Rechnung zeigt, warum. Wer sein Südmodul dauerhaft auf Sommerstellung (15°) lässt, kommt auf 95 % des Jahresertrags. Wer es dauerhaft auf einer steilen Winterstellung (60°) lässt, ebenfalls auf 95 %. Der feste Kompromiss bei 30–35° liefert 100 %. Zweimal im Jahr umzustellen bringt gegenüber diesem Kompromiss also nur wenige Prozent – und das auch nur, wenn du es zuverlässig tust.
Deshalb unsere klare Empfehlung: einmal auf 30–35° einstellen, festziehen, fertig. Dass unsere Halterung die Winterstellung von 60° nicht erreicht, ist aus demselben Grund kein Nachteil – dieser Winkel wäre über das Jahr gerechnet ohnehin die schlechtere Wahl.
Wie oft sollte ich den Paneelwinkel verstellen?
Für die allermeisten Balkonkraftwerke: gar nicht. Stell ihn einmal richtig ein und lass ihn. Verstellen lohnt sich nur in zwei Fällen – wenn du im Winter regelmäßig Schnee auf dem Modul liegen hast (steiler stellen hilft beim Abrutschen) oder wenn im Sommer ein Baum oder Nachbarbalkon einen bestimmten Sonnenstand blockiert.
Die richtige Himmelsrichtung: Süden, Osten, Westen, Norden
Nach dem Winkel ist die Himmelsrichtung der zweite große Hebel – und meistens der, den du nicht ändern kannst. Trotzdem lohnt es sich zu wissen, womit du rechnen darfst.
Süden – das Maximum. Nach Süden ausgerichtet holt dein Balkonkraftwerk den höchsten Jahresertrag. Hier gelten die 100 % aus der Tabelle. Wenn du die Wahl zwischen zwei Balkonseiten hast, ist Süd die erste Wahl.
Südost und Südwest – fast genauso gut. Mit 94–95 % bei moderater Neigung ist der Unterschied zu Süd erstaunlich klein. Wer eine leicht gedrehte Fassade hat, muss sich keine Sorgen machen.
Osten oder Westen – weniger, dafür gleichmäßiger. Eine Ost- oder West-Ausrichtung erreicht bei flacher Neigung etwa 82–84 % des Süd-Ertrags. Das klingt nach Verlust, hat aber einen praktischen Vorteil: Der Strom kommt gleichmäßiger über den Tag verteilt – morgens bei Ost, abends bei West. Für den Eigenverbrauch kann das sogar attraktiver sein, weil der Strom dann anfällt, wenn du tatsächlich zu Hause bist und ihn direkt nutzt. Wichtig, wie oben gezeigt: bei Ost/West flach statt steil aufstellen.
Norden – meist nicht lohnend. Nach Norden fällt der Ertrag deutlich ab: 59 % bei 30°, unter 20 % senkrecht. Falls wirklich nur Nord möglich ist, leg das Modul so flach wie es geht – bei 0° kommst du auf 85 %, weil ein waagerechtes Modul die Himmelsrichtung nicht mehr „spürt“. Eine flache Aufständerung auf dem Boden oder einem Flachdach schlägt eine steile Nordwand um Längen.
Zwei Module in verschiedene Richtungen – lohnt sich Ost/West-Splitting?
Bei größeren Photovoltaikanlagen ist es beliebt, die Module auf Ost und West aufzuteilen, statt alle nach Süden zu richten. Die Idee: nicht die maximale Jahresmenge, sondern eine gleichmäßigere Verteilung über den Tag. Lohnt sich das auch beim Balkonkraftwerk?
Die Zahlen dazu aus PVGIS, jeweils für insgesamt 0,8 kWp bei 30° Neigung am Referenzstandort:
| Aufteilung |
Jahresertrag |
Charakter |
| Beide Module nach Süden (35°) |
785 kWh |
Hohe Mittagsspitze |
| Ein Modul Ost, eins West (je 30°) |
639 kWh |
Breite, flache Tageskurve |
| Beide Module nach Osten (30°) |
641 kWh |
Morgenschwerpunkt |
| Beide Module nach Westen (30°) |
637 kWh |
Abendschwerpunkt |
Die ehrliche Antwort: Beim Balkonkraftwerk lohnt sich das Splitting selten. Die Ost/West-Aufteilung kostet rund 19 % Jahresertrag gegenüber Süd. Bei einer großen Dachanlage kann sich das über den besseren Eigenverbrauch rechnen – bei 800 Watt ist die Mittagsspitze aber ohnehin so klein, dass sie ein normaler Haushalt mit Kühlschrank, Router und Standby-Verbrauchern meist komplett selbst aufnimmt. Es gibt also wenig Überschuss, den man „glätten“ müsste.
Anders sieht es aus, wenn dein Balkon dir gar keine Wahl lässt und ohnehin nach Ost oder West zeigt: Dann ist Ost/West-Splitting eine gute Möglichkeit, statt einer Spitze eine breite Kurve zu bekommen – vorausgesetzt, du hast zwei Montageorte in verschiedene Richtungen. Bemerkenswert ist übrigens, wie gering der Unterschied zwischen Ost und West ausfällt: 641 zu 637 kWh, also praktisch identisch.
Neigungswinkel messen und einstellen
Der beste Winkel nützt nichts, wenn du nicht weißt, welchen du gerade eingestellt hast. Zum Glück ist das Messen in 30 Sekunden erledigt.
Mit dem Handy. Jedes moderne Smartphone hat einen Neigungssensor. Auf dem iPhone ist die Wasserwaage in der App „Maße“ eingebaut, auf Android-Geräten gibt es kostenlose Winkelmesser-Apps. Leg das Handy flach auf die Modulfläche (Displayseite nach oben, längs zum Modul) und lies den Winkel ab. Achte darauf, dass keine Handyhülle mit dickem Rand dazwischen liegt – das verfälscht um mehrere Grad.
Ohne Handy. Eine einfache Kontrolle für 30°: Miss die Länge des Moduls und die Höhe, um die die Oberkante gegenüber der Unterkante angehoben ist. Beträgt die Höhe genau die Hälfte der Modullänge, stehst du bei 30°. Ein Drittel entspricht rund 19°, zwei Drittel rund 42°.
Und so stellst du ihn an unserer Halterung ein:
- Halterung am Geländer beziehungsweise an der Wand montieren und handfest fixieren.
- Die Teleskop-Stützstrebe auf die gewünschte Länge ziehen – sie gibt den Winkel vor.
- Winkel mit dem Handy prüfen, auf 30–35° korrigieren.
- Alle Schrauben endgültig festziehen und das Modul einsetzen.