Balkonkraftwerk Neigungswinkel: Tabelle, optimaler Winkel & Ertrag

Zwei angewinkelte Balkonkraftwerk-Module an einem Balkon, nach vorne zur Sonne ausgerichtet

Der optimale Neigungswinkel für ein Balkonkraftwerk liegt in Deutschland bei 30–35° nach Süden. Wer sein Modul stattdessen senkrecht ans Geländer hängt, landet bei rund 71 % des möglichen Jahresertrags – verliert also knapp ein Drittel. In diesem Ratgeber findest du die vollständige Neigungswinkel-Tabelle für jede Himmelsrichtung, drei durchgerechnete Beispiele aus München, Kassel und Hamburg und eine Anleitung, wie du den Winkel an deiner Halterung misst und einstellst.

Die meisten Balkonkraftwerke hängen senkrecht am Geländer. Das ist praktisch, sieht ordentlich aus – und verschenkt Ertrag. Denn ein Solarmodul liefert am meisten, wenn die Sonne möglichst senkrecht auf die Glasfläche trifft, und das tut sie in Deutschland bei einem senkrecht stehenden Modul eben nie. Die gute Nachricht: Mit dem richtigen Winkel holst du spürbar mehr aus denselben Modulen heraus, ohne einen Cent mehr für Technik auszugeben.

Alle Zahlen in diesem Ratgeber stammen aus dem EU-Rechentool PVGIS (Version 5.3, Datensatz PVGIS-SARAH3) – gerechnet für ein 0,8-kWp-Balkonkraftwerk mit 14 % Systemverlusten, gebäudemontiert. Referenzstandort für die Prozentwerte ist die Mitte Deutschlands (Raum Kassel). Es sind Modellwerte, keine Messwerte: Dein realer Ertrag hängt zusätzlich von Verschattung, Wetterjahr und Wechselrichter ab.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Bester Ganzjahres-Winkel in Deutschland: 30–35° nach Süden. Zwischen 30° und 45° liegt der Unterschied unter 1 %.
  • Senkrecht am Geländer bedeutet 71 % des möglichen Ertrags in Südlage – und nur 51 % in Ost- oder Westlage.
  • Bei Ost- und Westlagen gilt die Regel umgekehrt: flacher ist besser. 15° schlagen dort 45°.
  • Bei Nordlagen ist ein möglichst flaches Modul die beste Lösung (85 % statt 20 %).
  • Saisonales Umstellen lohnt kaum. Einmal auf 30–35° einstellen und festziehen genügt.
  • Verschattung kostet in der Praxis oft mehr als ein suboptimaler Winkel.

Welcher Neigungswinkel ist optimal für ein Balkonkraftwerk?

Der beste Ganzjahres-Winkel liegt in Deutschland bei 30–35°, ausgerichtet nach Süden. In unserer PVGIS-Rechnung erreicht ein Südmodul bei 35° den Höchstwert von 785 kWh im Jahr. Bei 30° sind es 781 kWh, bei 45° 782 kWh – der Unterschied liegt also unter einem Prozent.

Warum genau dieser Bereich? Der Sonnenstand ändert sich über das Jahr: Im Sommer steht die Sonne hoch, im Winter tief. Ein flacher Winkel fängt die hohe Sommersonne besser ein, ein steiler die tiefe Wintersonne. Wer nur einen festen Winkel wählen kann – und das ist bei einem Balkonkraftwerk fast immer der Fall –, fährt mit 30–35° den besten Kompromiss über alle Jahreszeiten.

Ist ein Neigungswinkel von 30 Grad für ein Balkonkraftwerk optimal?

Ja. 30° liefern in unserer Rechnung 99 % des maximal möglichen Jahresertrags. Der rechnerische Bestwert liegt zwar bei 35°, aber der Unterschied beträgt vier Kilowattstunden im Jahr – das ist weniger, als ein einziger bewölkter Julitag ausmacht. Wenn deine Halterung 30° hergibt, brauchst du nicht weiter zu optimieren.

Was ist der beste Neigungswinkel für PV-Module?

Für fest installierte Module in Deutschland gilt dieselbe Regel wie fürs Balkonkraftwerk: 30–40° nach Süden. Die Faustformel dahinter lautet „ungefähr Breitengrad minus 10°“ – Deutschland liegt zwischen dem 47. und 55. Breitengrad, was rechnerisch bei 37–45° landet. Weil der Sommer mehr Sonnenstunden liefert als der Winter, verschiebt sich das reale Optimum etwas nach unten, in Richtung 30–35°.

Muss es exakt sein? Nein. Die Ertragskurve rund um das Optimum ist ausgesprochen flach: Zwischen 20° und 45° nach Süden bewegst du dich durchgehend über 96 %. Du musst also nicht mit der Wasserwaage feilschen – grob richtig genügt.

Neigungswinkel-Tabelle: Winkel × Himmelsrichtung

Die folgende Tabelle zeigt den zu erwartenden Jahresertrag als Prozent des Optimums (Süden, 35° = 100 %). Suche deine Himmelsrichtung in der linken Spalte und deinen Winkel in der Kopfzeile.

Ausrichtung
flach
15° 20° 30° 35° 45° 60° 90°
senkrecht
Süden 85 % 95 % 97 % 99 % 100 % 100 % 95 % 71 %
Südost / Südwest 85 % 92 % 93 % 94 % 95 % 93 % 88 % 67 %
Ost / West 85 % 84 % 83 % 82 % 80 % 77 % 71 % 51 %
Nordost / Nordwest 85 % 76 % 72 % 66 % 63 % 57 % 48 % 30 %
Norden 85 % 72 % 68 % 59 % 54 % 46 % 34 % 20 %

100 % entsprechen am Referenzstandort 785 kWh im Jahr für ein 0,8-kWp-System.

Vier Dinge, die aus der Tabelle sofort hervorstechen:

  • Flach liegend ist himmelsrichtungsblind. Bei 0° steht überall 85 % – ein waagerechtes Modul „sieht“ den ganzen Himmel gleich, egal wohin die Fassade zeigt. Für Nordlagen ist das sogar die beste aller Optionen.
  • Der Süd-Bereich ist breit. Zwischen 30° und 45° nach Süden liegst du praktisch immer bei 100 %. Exakt musst du also nicht arbeiten.
  • Bei Ost/West gilt die Regel umgekehrt. Hier bringt flacher mehr: 15° schlagen 45° um sieben Prozentpunkte. Wer nach Osten oder Westen ausgerichtet ist, sollte das Modul also nicht steil aufstellen.
  • Der teuerste Fehler steht unten rechts. Senkrecht plus Norden ergibt 20 % – ein Fünftel des Möglichen. Schon ein flach gelegtes Modul würde dort viermal so viel liefern.

Was bringt dein Winkel? Der Ertrags-Rechner

Wähle Himmelsrichtung, Neigung, Region und Modulleistung – der Rechner nutzt exakt die Werte aus der Tabelle oben.

kWh im Jahr

des Optimums · rechnerisch rund € Stromkosten im Jahr, wenn du den Strom selbst verbrauchst (35 ct/kWh)

Der Rechner ist eine Überschlagsrechnung auf Basis der PVGIS-Werte oben. Verschattung ist darin nicht berücksichtigt – und die kostet in der Praxis oft mehr als der Winkel.

Drei Rechenbeispiele: München, Kassel, Hamburg

Prozentwerte sind abstrakt. Deshalb hier drei konkrete Fälle, jeweils für ein 0,8-kWp-Balkonkraftwerk, direkt aus PVGIS gerechnet:

Situation Senkrecht (90°) Angestellt (35°) Mehrertrag
Südbalkon in München 630 kWh 876 kWh +246 kWh (+39 %)
Südbalkon in Kassel 561 kWh 785 kWh +224 kWh (+40 %)
Südbalkon in Hamburg 551 kWh 757 kWh +206 kWh (+37 %)

Das Beispiel im Klartext: Ein Südbalkon in München mit zwei Modulen und 35° Anstellung liefert rechnerisch 876 kWh im Jahr. Dasselbe Balkonkraftwerk senkrecht ans Geländer gehängt kommt auf 630 kWh. Die Differenz von 246 kWh entspricht bei einem Strompreis von 35 ct/kWh rund 86 € im Jahr – vorausgesetzt, du verbrauchst den Strom selbst.

Und genau da liegt die ehrliche Einschränkung: Ein Balkonkraftwerk produziert mittags am meisten, und viele Haushalte sind mittags nicht zu Hause. Wer nur einen Teil davon selbst nutzt, spart entsprechend weniger. Der Mehrertrag durch den Winkel ist trotzdem geschenkt – er kostet dich nichts außer einmal Einstellarbeit.

Senkrecht am Geländer (90°) – was kostet das wirklich?

Ein senkrecht montiertes Modul in Südlage erreicht 71 % des Optimums. Das ist der mit Abstand häufigste Fall in Deutschland, weil die klassische Geländermontage das Modul nun einmal senkrecht vor die Brüstung hängt.

Bemerkenswert ist, wie stark die Himmelsrichtung diesen Verlust verstärkt. Senkrecht nach Süden sind 71 % noch verkraftbar. Senkrecht nach Osten oder Westen sind es nur noch 51 %, senkrecht nach Norden 20 %. Je schlechter deine Himmelsrichtung, desto teurer wird die senkrechte Montage. Wer nach Osten oder Westen schaut, sollte das Modul deshalb unbedingt anwinkeln – dort holt schon eine leichte Neigung von 15° satte 33 Prozentpunkte zurück (51 % → 84 %).

Es gibt aber auch zwei ehrliche Argumente für die senkrechte Montage: Sie ist optisch unauffälliger, und sie fängt bei Sturm deutlich weniger Wind. Wenn du im 8. Stock in exponierter Lage wohnst, ist das ein reales Argument. Eine bewusste Entscheidung für 71 % ist völlig in Ordnung – ein Versehen wäre schade.

Angewinkelt statt senkrecht – so sieht das in der Praxis aus

Angewinkeltes Balkonkraftwerk am Geländer, zur Sonne ausgerichtet
Balkonkraftwerk-Halterung an einem eckigen Metallgeländer: Solarmodul angewinkelt über die Brüstung montiert, Blick vom Balkon in den Garten
Fertig montiertes Balkonkraftwerk mit Wandhalterung an einer weißen Putzwand, Modul angewinkelt zur Sonne

Ob du überhaupt anwinkeln kannst, entscheidet die Halterung. Viele einfache Modelle sind starr; unsere Balkonkraftwerk-Halterung für Geländer lässt sich stufenlos von 18 bis 38° einstellen und deckt damit den kompletten optimalen Bereich ab. Welche Halterung an deinen Balkontyp passt, klärt der Ratgeber Welche Halterung für welchen Balkon?

Wie schräg im Sommer, wie schräg im Winter?

Rein physikalisch ist die Sache klar: Im Sommer steht die Sonne hoch, ein flacher Winkel passt besser. Im Winter steht sie tief, ein steiler Winkel passt besser. Als grobe Orientierung kursieren diese Werte:

Zeitraum Grobe Orientierung Mit unserer Halterung (18–38°) erreichbar?
Sommer ca. 15–30° Ja (ab 18°)
Frühling & Herbst ca. 30–45° Teilweise (bis 38°)
Winter ca. 55–70° Nein
Fester Ganzjahres-Winkel ca. 30–35° Ja

Und jetzt die unbequeme Wahrheit dazu: Für ein Balkonkraftwerk lohnt sich das saisonale Umstellen kaum. Unsere PVGIS-Rechnung zeigt, warum. Wer sein Südmodul dauerhaft auf Sommerstellung (15°) lässt, kommt auf 95 % des Jahresertrags. Wer es dauerhaft auf einer steilen Winterstellung (60°) lässt, ebenfalls auf 95 %. Der feste Kompromiss bei 30–35° liefert 100 %. Zweimal im Jahr umzustellen bringt gegenüber diesem Kompromiss also nur wenige Prozent – und das auch nur, wenn du es zuverlässig tust.

Deshalb unsere klare Empfehlung: einmal auf 30–35° einstellen, festziehen, fertig. Dass unsere Halterung die Winterstellung von 60° nicht erreicht, ist aus demselben Grund kein Nachteil – dieser Winkel wäre über das Jahr gerechnet ohnehin die schlechtere Wahl.

Wie oft sollte ich den Paneelwinkel verstellen?

Für die allermeisten Balkonkraftwerke: gar nicht. Stell ihn einmal richtig ein und lass ihn. Verstellen lohnt sich nur in zwei Fällen – wenn du im Winter regelmäßig Schnee auf dem Modul liegen hast (steiler stellen hilft beim Abrutschen) oder wenn im Sommer ein Baum oder Nachbarbalkon einen bestimmten Sonnenstand blockiert.

Die richtige Himmelsrichtung: Süden, Osten, Westen, Norden

Nach dem Winkel ist die Himmelsrichtung der zweite große Hebel – und meistens der, den du nicht ändern kannst. Trotzdem lohnt es sich zu wissen, womit du rechnen darfst.

Süden – das Maximum. Nach Süden ausgerichtet holt dein Balkonkraftwerk den höchsten Jahresertrag. Hier gelten die 100 % aus der Tabelle. Wenn du die Wahl zwischen zwei Balkonseiten hast, ist Süd die erste Wahl.

Südost und Südwest – fast genauso gut. Mit 94–95 % bei moderater Neigung ist der Unterschied zu Süd erstaunlich klein. Wer eine leicht gedrehte Fassade hat, muss sich keine Sorgen machen.

Osten oder Westen – weniger, dafür gleichmäßiger. Eine Ost- oder West-Ausrichtung erreicht bei flacher Neigung etwa 82–84 % des Süd-Ertrags. Das klingt nach Verlust, hat aber einen praktischen Vorteil: Der Strom kommt gleichmäßiger über den Tag verteilt – morgens bei Ost, abends bei West. Für den Eigenverbrauch kann das sogar attraktiver sein, weil der Strom dann anfällt, wenn du tatsächlich zu Hause bist und ihn direkt nutzt. Wichtig, wie oben gezeigt: bei Ost/West flach statt steil aufstellen.

Norden – meist nicht lohnend. Nach Norden fällt der Ertrag deutlich ab: 59 % bei 30°, unter 20 % senkrecht. Falls wirklich nur Nord möglich ist, leg das Modul so flach wie es geht – bei 0° kommst du auf 85 %, weil ein waagerechtes Modul die Himmelsrichtung nicht mehr „spürt“. Eine flache Aufständerung auf dem Boden oder einem Flachdach schlägt eine steile Nordwand um Längen.

Zwei Module in verschiedene Richtungen – lohnt sich Ost/West-Splitting?

Bei größeren Photovoltaikanlagen ist es beliebt, die Module auf Ost und West aufzuteilen, statt alle nach Süden zu richten. Die Idee: nicht die maximale Jahresmenge, sondern eine gleichmäßigere Verteilung über den Tag. Lohnt sich das auch beim Balkonkraftwerk?

Die Zahlen dazu aus PVGIS, jeweils für insgesamt 0,8 kWp bei 30° Neigung am Referenzstandort:

Aufteilung Jahresertrag Charakter
Beide Module nach Süden (35°) 785 kWh Hohe Mittagsspitze
Ein Modul Ost, eins West (je 30°) 639 kWh Breite, flache Tageskurve
Beide Module nach Osten (30°) 641 kWh Morgenschwerpunkt
Beide Module nach Westen (30°) 637 kWh Abendschwerpunkt

Die ehrliche Antwort: Beim Balkonkraftwerk lohnt sich das Splitting selten. Die Ost/West-Aufteilung kostet rund 19 % Jahresertrag gegenüber Süd. Bei einer großen Dachanlage kann sich das über den besseren Eigenverbrauch rechnen – bei 800 Watt ist die Mittagsspitze aber ohnehin so klein, dass sie ein normaler Haushalt mit Kühlschrank, Router und Standby-Verbrauchern meist komplett selbst aufnimmt. Es gibt also wenig Überschuss, den man „glätten“ müsste.

Anders sieht es aus, wenn dein Balkon dir gar keine Wahl lässt und ohnehin nach Ost oder West zeigt: Dann ist Ost/West-Splitting eine gute Möglichkeit, statt einer Spitze eine breite Kurve zu bekommen – vorausgesetzt, du hast zwei Montageorte in verschiedene Richtungen. Bemerkenswert ist übrigens, wie gering der Unterschied zwischen Ost und West ausfällt: 641 zu 637 kWh, also praktisch identisch.

Neigungswinkel messen und einstellen

Der beste Winkel nützt nichts, wenn du nicht weißt, welchen du gerade eingestellt hast. Zum Glück ist das Messen in 30 Sekunden erledigt.

Mit dem Handy. Jedes moderne Smartphone hat einen Neigungssensor. Auf dem iPhone ist die Wasserwaage in der App „Maße“ eingebaut, auf Android-Geräten gibt es kostenlose Winkelmesser-Apps. Leg das Handy flach auf die Modulfläche (Displayseite nach oben, längs zum Modul) und lies den Winkel ab. Achte darauf, dass keine Handyhülle mit dickem Rand dazwischen liegt – das verfälscht um mehrere Grad.

Ohne Handy. Eine einfache Kontrolle für 30°: Miss die Länge des Moduls und die Höhe, um die die Oberkante gegenüber der Unterkante angehoben ist. Beträgt die Höhe genau die Hälfte der Modullänge, stehst du bei 30°. Ein Drittel entspricht rund 19°, zwei Drittel rund 42°.

Und so stellst du ihn an unserer Halterung ein:

  1. Halterung am Geländer beziehungsweise an der Wand montieren und handfest fixieren.
  2. Die Teleskop-Stützstrebe auf die gewünschte Länge ziehen – sie gibt den Winkel vor.
  3. Winkel mit dem Handy prüfen, auf 30–35° korrigieren.
  4. Alle Schrauben endgültig festziehen und das Modul einsetzen.

Den Neigungswinkel an der Halterung einstellen

Neigungswinkel der Halterung wird am verstellbaren Teleskoparm eingestellt
Solarmodul im Anstellwinkel an der Balkonhalterung – seitliche Ansicht der Neigung

Für die Wandmontage – an Fassade, Garage oder Gartenhaus – ist die Halterung für Wand & Flachdach die passende Wahl: Weil dir dort kein Geländer den Platz vorgibt, kannst du den Winkel wirklich frei ausreizen. Wie das Schritt für Schritt abläuft und welcher Untergrund trägt, steht im Ratgeber zur Wandmontage. Einen Überblick über sämtliche Befestigungsmethoden gibt der komplette Montage-Ratgeber.

Ab welcher Steilheit lohnt sich ein Balkonkraftwerk nicht mehr?

Eine harte Grenze gibt es nicht – aber eine sinnvolle Faustregel. Solange du über etwa 60 % des Optimums liegst, rechnet sich ein Balkonkraftwerk in aller Regel weiterhin. Nach der Tabelle heißt das: Süd, Südost, Südwest und Ost/West funktionieren in praktisch jeder Neigung. Kritisch wird es erst bei Nordost, Nordwest und Nord, und dort besonders in Kombination mit steiler oder senkrechter Montage.

Zwei weitere Grenzen solltest du kennen: Unter 10–15° Neigung setzt der Selbstreinigungseffekt aus. Regen läuft dann nicht mehr richtig ab, Staub und Pollen bleiben liegen und kosten über die Jahre Ertrag. Und nach oben hin gilt: Je steiler das Modul, desto mehr Windangriffsfläche. Deshalb ist unsere Halterung statisch bis 144 km/h Windgeschwindigkeit ausgelegt – aber in exponierten Lagen ist ein flacherer Winkel auch aus Sicherheitsgründen die klügere Wahl.

Verschattung – der unterschätzte Ertragskiller

Winkel und Ausrichtung nützen wenig, wenn Schatten dazwischenfunkt. Schon eine teilweise Verschattung – durch das Geländer, den Nachbarbalkon, einen Baum oder eine Hausecke – kostet überproportional viel Ertrag, weil verschattete Zellen den gesamten Strang ausbremsen können. In der Praxis richtet Verschattung bei vielen Balkonen mehr Schaden an als ein suboptimaler Winkel.

Praktische Gegenmaßnahmen: Setze das Modul möglichst frei und etwas höher, halte es aus dem Schattenwurf von Geländerstäben heraus, und plane so, dass die ertragreichen Mittagsstunden zwischen 10 und 15 Uhr schattenfrei bleiben. Lieber eine leicht suboptimale Richtung ohne Schatten als die perfekte Richtung mit Mittagsschatten.

Der Verschattungs-Check in einem Tag: Stell dich an einem sonnigen Tag dreimal auf den Balkon – gegen 10, 13 und 16 Uhr – und fotografiere jeweils die Stelle, an der das Modul hängen soll. Liegt zu einem dieser Zeitpunkte Schatten darauf, weißt du vorher, woran du bist. Wichtig: Mach den Test möglichst im Winterhalbjahr oder rechne den tieferen Sonnenstand dazu. Im Juni steht die Sonne rund 45 Grad höher als im Dezember, und was im Hochsommer über den Nachbarbalkon hinwegscheint, liegt im Oktober komplett im Schatten.

Zwei Sonderfälle noch: Ein Baum, der im Winter kahl ist, verschattet nur im Sommerhalbjahr – das ist der günstigere Fall, weil dann ohnehin Überschuss da ist. Ein Balkon über dir hingegen verschattet ganzjährig und besonders mittags. Dort hilft nur, das Modul außen ans Geländer statt darunter zu setzen.

Welche Halterung lässt welchen Winkel zu?

Ob du den optimalen Winkel überhaupt erreichst, entscheidet allein die Halterung. Hier die ehrliche Übersicht:

Montageart Erreichbarer Winkel Typischer Ertrag (Süd)
Starre Geländer-Halterung fest 90° 71 %
Verstellbare Geländer-Halterung 18–38° stufenlos 97–100 %
Wand- & Flachdach-Halterung 18–38°, freie Position 97–100 %
Freistehend im Garten (Ballast) frei wählbar bis 100 %

Der Unterschied zwischen der ersten und der zweiten Zeile sind knapp 30 Prozentpunkte Jahresertrag – bei identischen Modulen. Genau deshalb ist die Halterung bei einem Balkonkraftwerk die folgenreichere Kaufentscheidung als das Modul selbst.

→ Eine Übersicht aller Modelle findest du in der Kategorie Balkonkraftwerk-Halterungen & Zubehör; speziell für Fassade, Garage und Flachdach in den Wand- und Flachdach-Halterungen.

Für wen sich die Winkel-Optimierung lohnt – und wann senkrecht okay ist

Lohnt sich klar, wenn du eine Süd-, Ost- oder West-Lage mit etwas Spielraum hast und der Ertrag dir wichtig ist. Der Gewinn gegenüber senkrecht liegt bei rund 40 % und kostet dich außer einmal Einstellarbeit nichts. Besonders deutlich ist der Effekt in Ost- und Westlagen.

Senkrecht ist vertretbar, wenn baulich nichts anderes geht, der Platz auf dem Balkon knapp ist, du in sehr exponierter Lage wohnst oder dir die ruhigere Optik am Geländer wichtiger ist. Dann solltest du nur wissen, dass du bei rund 71 % des möglichen Ertrags landest – eine bewusste Entscheidung, kein Versehen.

Kein klassischer Balkon, sondern Garage, Gartenhaus oder Garten? Dort kannst du den Winkel frei wählen – wie das geht, zeigt der Ratgeber Balkonkraftwerk ohne Balkon. Und wenn du zur Miete wohnst: Auch ohne Bohren lässt sich anwinkeln.

Nicht sicher, welche Halterung an deinen Balkon passt und den optimalen Winkel zulässt? Schick uns ein Foto deines Balkons – wir sagen dir ehrlich, was funktioniert.

Häufige Fragen zu Winkel & Ausrichtung

Welche Halterung passt zu deinem Balkon?

Alle drei Halterungen im direkten Vergleich – damit du die richtige für dein Setup findest.

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Geeignet für

Rundes & eckiges Metallgeländer, Glasbrüstung, Holzgeländer
(78 - 118cm Pfostenabstand)

Sehr breite Geländerprofile, Geländer mit Sondermaßen
(118 - 158cm Pfostenabstände)

Mauer- & Betonbrüstung, Wandmontage, Flachdach (mit Ballast), Garage, Trapezblechdach

Befestigungsart

Klemmmontage am Geländer

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Verschraubung (Wand) oder Ballastierung (Flachdach) – 8 Schwerlastanker für Wandmontage enthalten

Material

Aluminium (auch in Schwarz erhältlich)

Aluminium

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Windbelastung

bis 144 km/h (statisch berechnet)

bis 144 km/h (statisch berechnet)

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Schneelast

bis 1,6 kN/m² (statisch berechnet)

bis 1,6 kN/m² (statisch berechnet)

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Anstellwinkel

einstellbar (18 - 38°)

einstellbar (18 - 38°)

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